Insolvenz

Die vor drei Jahren durchgeführte Reform des deutschen Insolvenzrechts trägt Früchte – zumindest aus deutscher Sicht. Sanierungsexperten sprechen von verbesserten Einflussmöglichkeiten für Gläubiger, einer hohen Planbarkeit sowie einer zügigen Sanierung unter dem Schutzschirm. Das geht aus der aktuellen “Insolvenz-Studie 2015″ von der Wirtschaftskanzlei Noerr und McKinsey hervor. Ausländische Experten bevorzugen weiterhin das US-Recht.
Vor drei Jahren wurde das deutsche Insolvenzrecht durch das “Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG)” modernisiert. Ziel des Gesetzgebers war es, die Restrukturierungschancen insolvenzbedrohter Unternehmen zu verbessern sowie die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Insolvenzrechts gegenüber ausländischen Rechtsordnungen zu erhöhen. Denn gerade bei internationalen Insolvenzfällen haben Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Wahl, in welchem Land sie ihren Fall juristisch ansiedeln.
Eine Umfrage unter 220 Anwälten, Richtern, Insolvenzverwaltern sowie Gläubigern und Investoren ergab nun, dass 92 Prozent der Aussage zustimmen, das ESUG habe das deutsche Sanierungsrecht attraktiver gemacht. Ein Großteil aller Befragten – insgesamt 39 Prozent – sieht das reformierte deutsche Insolvenzrecht auf Augenhöhe sowohl mit dem US-amerikanischen als auch mit dem britischen Recht.
Kritischer fällt das Urteil der befragten ausländischen Experten aus: Nur sechs Prozent bevorzugen die deutsche Regelung, während eine deutliche Mehrheit von 74 Prozent zu den angelsächsischen Rechtsordnungen tendiert. “Das Instrumentarium des deutschen Insolvenzrechts ist dabei nicht nur nach Meinung der ausländischen Experten nicht differenziert genug”, sagt Noerr-Partner Thomas Hoffmann, Co-Leiter der Praxisgruppe Restrukturierung und Insolvenz. Als nachteilig bewerten viele Befragten ein derzeit noch fehlendes Konzerninsolvenzrecht (71 Prozent), die Sanierungsfeindlichkeit des deutschen Anfechtungsrechts (70 Prozent) sowie ein fehlendes vorinsolvenzliches Sanierungs-verfahren, das eine Begrenzung auf einzelne Gläubigergruppen erlaubt (54 Prozent). Quelle: http://versicherungswirtschaft-heute.de/politics/